St. Coloman > Geschichte
Die Kirche von St. Coloman (aus der Chronik von Jos. Winkler) Die kleine Kirche St. Coloman bei der Ortschaft Frauenholzen, Gemeinde Schlicht, 3/4 Stunden vom Pfarrhof Rieden entfernt, zählt zu den wenigen Kirchen oder Kapellen im ganzen Dekanat, wie überhaupt der ganzen Diözese, die dem hl. Coloman geweiht sind. Im Dekanat befindet sich nur bei Schiltern eine vor, die aus dem 15. Jahrhundert stammt. Nach der Legende stammt der hl. Coloman aus Schottland und starb vor rund 950 Jahren. Auf häufigen Pilgerreisen nach Rom berührte er öfters unsere Gegend. Bei einer solchen Wallfahrt geschah es, dass er als Spion verdächtigt und zusammen mit zwei Verbrechern aufgehängt wurde. Während die Leichen der beiden Missetäter den Raubvögeln zu Fraß dienten, blieb der Leib des Heiligen unversehrt. Auf die Kund hiervon fand sich Markgraf Heinrich II. von Österreich an dem Grab ein und ließ die Gebeine Colomans im Jahre 1014 nach Wien überführen. (Heinrich II. 1002 - 1024). Die Sage von St. Coloman Berichtet von H. Lehrer Göttinger, Au am Inn "Vor Zeiten sah man an einem wilden Ort der Gegend von Rieden ein Bildnis des hl. Martyrers St. Coloman aufgehängt, welches viel treuherzige Christen in großer Not Andacht gehalten. Ob man nun gleich selbes Bild zur Erzeigung größerer Ehr' von dem wilden Ort weggenommen und in St. Niklas Kapellen auf Schloß Hohenburg getragen und auf den Altar gestellt hat, so ist doch das Bildniß anderntags wiederum in der Wildniß an selbigem Ort befunden worden, worauf sich treuherziger Chistenandacht gemehret auch ein Hüttlein über selbige Stelle erbauet worden. Weilen aber durch Fürbitt St. Colmans Vielen geholfen worden, auch manche Opfer geflossen, so ist dann mit Genehmhaltung des Bischofen von Freising die Kapelle errichtet worden." Sage und Wahrheit sind zuweilen in einer Art verknüpft, die zu lösen nach Jahrhunderten meist nicht mehr möglich ist. In den meisten Fällen, wenn es sich um solche aus dem Vok selbst geformte Sagen handelt, steckt doch vielfach ein Stück Wahrheit dahinter aus irgend einer Begebenheit. - In der Sage von Coloman darf aber bestimmt angenommen werden, dass eine Verehrung des hl. Colman vorlag. - Eine noch vorhandene Votivtafel bestätigt dies. (Siehe Seite 120 der Winkler'schen Aufzeichnungen). Sonderbar ist wohl, wie man zu der Verehrung dieses Heiligen kam. Wie nun, nach der Legende der hl. Colman in seinen Pilgerreisen auch in diese Gegend kam und später die wunderbare Begebenheit bei seinem Tode bekannt wurde, wäre es nicht zu verwundern, wenn eine Verehrung dieses Heiligen hier Eingang gefunden hätte. Wie es nun früher (sogar bis in unsere Zeit herein) öfters vorkam, dass man ein gläubig verehrtes Heiligenbild an irgendeinem heimischen Platz oder Baum anbrachte und schließlich auch noch mit einem Schutzdächlein versah, so könnte auch hin in derselben Art und Weise die Verehrung des hl. Colman entstanden sein. - Die an solchen einsamen Plätzen angebrachten Heiligenbilder (od. Figuren) wurden dann meist gerne besucht zu einer stillen ungestörten Andacht. Betschemel oder Rastbank waren meist vorhanden. Die Verehrung des hl. Coloman gab jedenfalls dem Pfleger Veit Perckhamer von Schloß Hohenburg Anlaß zum Bau eines Kirchleins. Schließlich zählte dieser selbst zu jenen Kreisen, die dem hl. Coloman Verehrung zollten. Sehr wahrscheinlich wurde das Kirchlein an dem Platz erbaut, wo die Verehrung des hl. Coloman stattfand und das war der zu Schloß Hohenburg gehörige Forst in der Schlicht gelegen, genannt das "Frauenholz". Jedenfalls war der Pfleger Perckhamer ein Mann, der für seine Untertanen mit ihrem gläubigen Sinn Verständnis zeigte und durch den Bau eines Kirchleins ihnen dabei einen lieben Wunsch erfüllte. (Aus dem Grundbuch von Schloß Hohenburg v. J. 1592.) Es ist dabei interessant, dass um diese Zeit der Flurname Schlicht schon bestand. Bislang herrschte die Ansicht, dass der Name Schlicht erst entstand bei der Bildung der Gemeindekörper 1814 - 1818. Ein weiterer Beitrag über die recht interessante Persönlichkeit des heiligen Coloman. Man weiß von ihm, dass er Jerusalempilger war und auf der Heimkehr vom Heiligen Land ins Eichstättische, in der Nähe von Stockerau in Niederösterreich infolge eines Verdachtes als Spion misshandelt und an einem verdorrten Baum aufgehängt wurde. Das war im Jahre 1012. Seine Unschuld erwies sich in wunderbarer Weise: Der Baum, an welchem er aufgeknüpft war, wurde wieder grün und des Toten Haare und Nägel wuchsen weiter. Daraufhin ließ Markgraf Heinrich zwei Jahre später den Leichnam im Kloster Melk an der Donau (Benediktinerkloster) bei Wien durch Bischof Meginoz von Eichstätt feierlich beisetzen. Der heilige Colman wird dargestellt als einfacher Pilger mit Stab und Kürbisflasche. Uralte Kultorte, wohin das Volk aus Tradition wallfahrtete, erhielten sein Patrozinium. Di die Passauer Diözese einstmals bis zur ungarischen Grenze reichte, kam die Verehrung des Heiligen auch nach Bayern. Weil der fromme Mann an einem Baum das Leben endete, wurde er gern im Wald verehrt und weil früher die Waldweide allgemein üblich war, wurde er Patron für Hirt und Herde. Er ist aber auch Pestpatron. - Um seine Kapellen herum, die meist auf sogenannten "Bötbergen" - ehemaligen Opferstätten - standen, hörte man die Gehängten seufzen. - Die Colman-Sonntage sind von jeher gute Wallfahrertage gewesen. In Zimmermanns kurbayerischem Kalender von 1754 ist zu lesen, dass zu Patron Coloman viele Kreuzgänge und Wallfahrten gingen; es waren dort auch Pferdeumritte. - Im Mittelalter glaubte man, dass der Colomans-Segen den menschlichen Körper so fest wie Eisen mache. Mädchen, die sich einen Mann wünschen, beten: "Heiliger Sankt Coloman, oh, schenk mir auch'n Mann, aber nur kein roten ...". Eine weitere Sage oder Legende über Colman berichtet ferner: Ein Herr vom Schloß Hohenburg hatte einst bei der Jagd im Frauenholzer Forst einen schrecklichen Vorfall glücklich überstanden. Zu Dank dafür brachte er an Ort und Stelle an einem Baum das Bildnis des hl. Coloman an, vorerst mit einem kleinen Schutzdach versehen. Später hat man dort eine hölzerne Kapelle errichtet. - Hat das Wappenschild mit einem Bären (außen am Eingang der Kirche) doch irgendwie einen Zusammenhang mit der Sage? Noch zu erwähnen wäre eine alte Votivtafel im Innern der Kirche (rechts), die mindestens so alt sein dürfte, wie die Kirche. Die Tafel zeigt den hl. Colman an einem Kreuzesbalken angebunden und ist insofern interessant, weil zu Füßen des Martyrers ein Mann steht, der auf einer Geige spielt. - Der Sinn des Bildes deutet ebenso auf eine Legende hin. Kirchenbau: Die Kirche in Coloman wurde erbaut i. J. 1644 von dem Fürst-Bischöflichen Pfleger Veit Perckhamer vom Schloß Hohenburg. (Bereits erwähnt). Perckhamer ist am 3.3.1659 hier gestorben; eine Marmortafel im Innern der Kirche in Rieden erinnert daran. (Siehe Seite 49 unter "Epitaphien" der Winkler'schen Aufzeichnungen). Eine Erbauungsurkunde der Kirche von Coloman war bis um 1950 im Innern der Kirche, in einem Rahmen gehalten, vorhanden. Es war vorgesehen, eine Abschrift dieser über 300jährigen Urkunde dieser Chronik beizufügen. Leider ist nun diese Urkunde nicht mehr vorhanden. - Bei einer Entrümpelung der Kirche wurde unter anderem auch (durch einen Kooperator) diese historisch wertvolle Urkunde einfach entfernt und in den nahen Wald geworden. Es ist dies eine unverzeihliche Verständnislosigkeit. Immer wieder lässt sich feststellen, wie unvernänftig man mit solchen Sachen verfährt. Was nicht mehr glänzt und glitzert, wird achtlos beseitigt. - Eine bedauerliche Wahrnehmung! - Die Originalbeschriftung auf der bereits erwähnten Votivtafel in der Kirche Coloman lautet: "Anno 1645 in der Nacht S. Johanneß Baptista ist dem Jörgen Zenner am Lehe, welcher Zechen jar großen schmertzen in sein bainen gehabt, für kommen, er sölle D.H. martürer S. Kolomano, weil man da zuemal die Kapelen anfangt zu bauen etwas zu diesem Bau Zuefiern, Thett also ermanung Zwo rattltruhen voll Kalk, von Urfahrn her Zuegefiehrt. Ist ihm dan also balt aller Scherzen vergangen und gantz gesundt worden, deswegen er Gott und dem H. Kolomano zur lob und Ehr dises Täftl hat machen lassen." Es heißt in leichter leserlicher Art: "Dem Bern Jörg Zenner von Lehen, kam in der Nacht v. St. Johannes Baptist die Eingebung, er solle zu dem begonnenen Bau des Kirchleins St. Koloman etwas beitragen. Auf diese Ermahnung hin hat er trotz seines Leidens zwei Radltruhen voll Kalk von Urfahrn bis nach Koloman geschafft. Bald darau vergingen seine Schmerzen und er wurde ganz gesund. Gott zum Dank und dem hl. Koloman zu Lob und Ehr ließ er dieses Täfelchen machen." (Dieses Täfelchen bezeugt eine wunderbare Erhörung und Heilung des hl. Koloman an dem Bauern Jörg Zenner von Lehen.) Bericht über die Filialkirche St. Coloman aus dem Verichtungsbuch Rieden 1738: Eine kleine Kirche, auf einem Hügel stehend, versteckt hinter Bäumen, hat nur einen Altar, der dem hl. Martyrer Coloman geweiht ist. - Gottesdienst wird dort gehalten am Jahrstag der Kircheeinweihung, das ist am Sonntag vor dem Feste des hl. Johannes des Täufers und am Feste des hl. Coloman. Außerdem werden hier mehrmals im Jahre hl. Messen gelesen. - Das Vermögen des Gotteshauses ist 500 fl. (Der Bericht besagt, dass zu dieser Zeit das Kirchlein noch im Walde stand.) (Der Name Coloman ist in den Kalendern kaum zu finden. Er fällt auf den 13. Oktober.) Die Kirche St. Coloman: Die Kirche ist ohne Einfriedung. - Baupflicht hat die Kirche. - Ohne Sakristei. - Nur notdürftig hinter dem Altar ein kleiner Platz vorhanden. - Den Mesnerdienst versieht ein Gütler von Frauenholzen. - Platz für etwa 100 Personen. Dieser ist, nachdem 1958 nächst der Kirche ein Schulhaus gebaut wurde, nicht mehr ausreichend. Dazu kommt, dass 1958 die Siedlung Teufelsbruck entstand, mit ca. 100 Einwohnern. Es dürfte nicht zu umgehen sein, die Kirche zu erweitern. Die Kirche ist 11,90 m lang und 6,50 m breit. (Außenmaße). Innere Ausstattung: Der nicht eingezogene Chor (Altarraum) umfasst ein Joch und einen dreiseitigen Schluß, das Langhaus 2 Joche. (Wandpfeiler). Pilater mit einfach profilierten Kapitellen. - Flache Tonnendecke mit Stichkappen (kleines Gewölbe, das in ein großes einschneidet). Schwache angeputzte Rippen an den Graten. Die Decke hat ein einfaches Rahmenwerk (Quadratur). An den Kapitellen der Pilaster Engelsköpfchen mit Flügeln. - An der Nordwand interessantes Votivbild: Johannes, Maria und Maria Magdalena halten das Leichentuch Christi, in das die Gestalt desselben abgedrückt ist. Links kniet der hl. Fanziskus, rechts ein Ritter. Malerei aus der Gotikzeit, Mitte des 17. Jahrhunderts. - Guter, geschnitzter Rahmen. Höhe des Bildes 0,90 m, Breite 1,90 m. (Aus: Baudenkmale Bayerns) 1886 wurde das Bild renoviert von Maler Lueginger von Wasserburg. Der Rahmen wurde neu gefasst. 1859 neuer Kelch beschafft. St. Coloman hatte bis jetzt noch keinen eigenen Kelch. Bei Gottesdiensten musste ein solcher immer von der Pfarrkirche entlehnt werden. Anschaffungspreis 119 1/2 fl, die der Pfarrer durch Haussammlungen aufbrachte. Damit dieser Kelch nicht säkularisiert werden konnte, wurde er als Eigentum der Kirchengemeinde erklärt und dies im inneren Fuß eingraviert. Die Filialkirche St. Coloman hatte bisher keinen Kreupartikel und wurde ein solcher 1863 beschafft. Silberarbeiter Feigl in Wasserburg fertigte hierzu das Ostensorium für 34 fl. Die Fassung des Partikels wurde durch das Ordinariat besorgt. Die Autentica (Echtheit) liegt bei den Akten der Fil. St. Coloman. 1864 ließ die verwitwete Messnerin von St. Colman, Agathe Ober einen neuen Kreuzweg herstellen. Die Schlichter Einwohner haben sich bei der feierlichen Einsetzung sehr stark beteiligt. 1942 musste die Kirche eine Glocke für Kriegszwecke abgeben. - 1945 wurde eine solche wieder neu beschafft. - Gewicht 83 kg - Preis 471.50 M. Restaurierungen: 1857 wurde das Kircheninnere, das ziemlich verwahrlost war, besonders der Altar, einer Restaurierung unterzogen. Die Arbeit dauerte von Herbst 1856 bis Ostern 1857 und wurde von Maler Gg. Greisel von Hart bei Rechtmehring ausgeführt. Die Kosten beliefen sich auf 170 fl. 1878 erhielt das Kirchlein ein Spitztürmchen, sowie 2 kleine Glocken. 1886 Umbau und Restauration. Der bisherige Eingang auf der Südseite wurde vermauert und ein gleichförmiges drittes Fenster angebracht. Der Eingang wurde auf die Westseite verlegt unter Verwendung des alten steinernen Türstockes. Die Empore, einen unförmigen unnützen Kasten, entfernte man. Das Kircheninnere wurde frisch getüncht. Die auffallende Bodensenkung zwischen St. Coloman und Weiler Frauenholzen (1552 erwähnt) ist keine natürliche Vertiefung. Hier befand sich noch Mitte des vorigen Jahrhunderts eine Ziegelei. Beim Bau des Pfarrhofes Rieden 1840 heißt es u. a. Die Dachplatten sind teils von Frauenholzen bezogen, pro 1.000 Stck. 19 - 20 fl. Nach mündlicher, aber nicht verbürgter Überlieferung, hat man in dieser Ziegelei auch das rote Tongeschirr hergestellt.